.: Endlich arbeitslos :.
Endlich arbeitslos: Wie ich eine Kündigung als Chance begreife 
Ein Buch, das so einen provokanten Titel trägt, will aufrütteln. Nicht jammern, nicht nachtragen, nicht zaudern - sondern gründlich nachdenken und dann handeln lautet die Devise.
Lara Schreiber spricht aus, was viele Gefeuerten am Anfang Ihrer Arbeitslosigkeit empfinden. Das beklemmende Gefühl auf der ganzen Linie "versagt" zu haben. Am Ende fesseln sie sich jedoch selbst im Selbstmitleid und Agonie. Statt dessen rät die Autorin: "Machen Sie Schluss mit diesem Selbstmitleid und werden Sie endlich frei!"
Nutzen Sie Ihre freie Zeit sinnvoll. Fahnden Sie nach Wünschen und Bedürfnissen, die Sie bisher mangels Zeit und Notwendigkeit einfach unterdrückt haben. Erweitern Sie Ihren Horizont und damit auch die Chance zur beruflichen Neuorientierung. Srukturieren ihr Leben neu und greifen Sie nach den Sternen, wenn Sie dort Ihre Zukunft sehen.
Kommentar: Ich verstehe die Kommentare zu 1-Sterne-Bewertungen ebenso gut wie die zur Höchstnote. Aber sowohl links wie rechts ins Extrem zu fallen, wird diesem Buch nicht gerecht. Die Autorin hat einfach das Beste aus ihrer persönlichen Situation gemacht und verfällt nun der verbreiteten Ansicht, das sei auch für alle anderen Betroffenen das Beste. Das suggeriert schon der gewagte Titel. Wer kurz vor dem Rentenalter noch aus Kostengründen aus dem Betrieb geworfen wird, empfindet die Überschrift zu Recht als zynisch. Zumal die Autorin ja nicht viel Neues zu berichten weiss, sondern sich teilweise Ratschläge anmasst, die tatsächlich vulgärpsychologisch sind. Anders gesagt, nur wer schon innerlich dazu bereit ist, den Verlust seines Arbeitsplatzes als Chance zu ergreifen, wird einigermassen aufnahmebereit an die Lektüre gehen.
Gegenüber der harten Konkurrenz im Ratgebermarkt kann sich Lara B. Schreiber nur behaupten, weil sie aus persönlicher Sicht schreibt, weil sie viel Inhalt in konzentrierter und preisgünstiger Form vermittelt und weil sie mit ihrer Website Betroffenen ein Diskussions-Forum bietet. Etwas schwach finde ich den Anhang mit Literaturtipps, Anlaufstellen und Internetadressen. Denn sie sind allzu dürftig und persönlich gefärbt. Für Stellensuchende ausserhalb Deutschlands hat es ohnehin nichts dabei.
Mein Fazit: Wenn die Autorin Betroffene erreicht, weil sie selber betroffen war, dann hat sich das Schreiben der achtzig Seiten gelohnt. Auch weil ihr Buch ein Beitrag zur Eindämmung des ewigen Jammerns ist. Schade nur, dass Lara B. Schreiber dem verbreiteten Irrtum erliegt, man könne eigene Erfahrungen verallgemeinern und anderen Menschen in dieser Form weitergeben. Das artet dann zu oft in Sie-sollten-und-müssten-Formulierungen aus.
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